Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(LXXXVII)
Im November wird die zweite Nummer des Festin d’Esope vorbereitet und gedruckt und
im Dezember 1903
herausgegeben. Apollinaire hat darin zwei Gedichte: »L’Adieu« (Der Abschied) und »Le Retour« (Die Rückkehr), die von seinen Londoner Erlebnissen inspiriert sind. Davon zeugt der dritte Vers im »Adieu« –
Wir werden uns nicht wiedersehn auf Erden,
der völliger Resignation entspringt und die Trennung von Annie als definitiv betrachtet. Apollinaire wohnt noch immer bei seiner Mutter, nun in Vésinet, 8, boulevard Garnot, und das Ende des Jahres ist eine Zeit weiterer großer Sorgen. Die Erinnerung an Annie läßt sich nicht entwurzeln, er schreibt ein Gedicht »Hyde Park«.
Er hat auch wieder Existenzschwierigkeiten. Die gesamte Memoirenliteratur stimmt darin überein, daß Apollinaire seinen Lebensunterhalt in einer Bank verdiente, die vor dem Bankrott stand. Einer ihrer Angestellten, der sich für ein Finanzgenie hielt, gründete zur Beruhigung der empörten Einleger und Kontobesitzer eine Zeitschrift Le Guide de Rentier (Der Führer des Rentiers). Mit der Redaktion betraute er Kostro. Während dieser Redakteurstätigkeit lernt Apollinaire seinen künftigen Sekretär, den rätselhaften, dichterisch talentierten belgischen Abenteurer Géry Piéret kennen, einen desertierten Unteroffizier.
Für den Guide de Rentier schreibt Apollinaire die Börsenberichte und interviewt El-Mokri, den französischen Finanzier des Sultans von Marokko. Das ist der Anfang von Apollinaires journalistischer Tätigkeit, und seine Arbeit auf diesem Gebiete erweitert sich noch um die französische Rubrik der Zeitschrift Democratie Sociale. Apollinaire schrieb darin unter dem Pseudonym »Polyglotte“ für das Ausland bestimmte Artikel über Frankreich.
Durch sein Interesse für Abenteuer und Phantasterei findet er besonders Gefallen an Jarry. Er besucht ihn oft und zieht ihn enger an das Festin d’Esope heran, was gleich zu Anfang 1904 seine Früchte trägt. Apollinaire tritt in dieses Jahr mit weiteren Plänen ein. Einige davon sind allerdings von vornherein zum Scheitern bestimmt.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









