Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CXXXII)

Auch das Jahr 1908

war, was die Existenzfrage betrifft, für Apollinaire weder besser noch einträglicher. Er arbeitete zwar noch in der Bank, aber unter der grauen Oberfläche dieser nüchternen Beschäftigung reift der Dichter einer neuen Lyrik mächtig heran, obwohl seine Dichtung vorläufig noch nicht revolutionierend ist. Er befreit sich vom Symbolismus, der langsam ausklingt. Eine neue ästhetische Atmosphäre kristallisiert sich aus den Anschauungen und der schöpferischen Praxis der Freundesgruppe, deren Angehörige mutig und entschlossen um die neue Kunst kämpfen. Sie gebrauchen untereinander eine besondere Ausdrucksweise, die – nach Fabureau – die hochtrabenden Gemeinplätze des französischen Bürgers parodierte… Apollinaires Gesprächsform habe dadurch einen Beiklang bekommen, den man ohne weiteres „utuistisch“ nennen könne. Vieles von dieser Redeweise ging auf höherer literarischer Ebene in den überraschenden Wortschatz des Dichters über. Sein Interesse für Philologie, das älteren Datums war, hielt auch weiterhin an, was aus seinen Betrachtungen in den Anecdotiques vom Jahre 1911 hervorgeht.

 

Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966