Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CXXVIII)
In der Fortsetzung, die
am 26. Oktober 1907
herauskommt, kämpft Apollinaire für zwei seiner Malerfreunde, Henri Rousseau und Maurice Vlaminck.
Rousseau hatte die Ausstellung mit mehreren Bildern beschickt, die die Jury angenommen, Jourdain aber in die Abteilung des Kunstgewerbes placieren und mit einer Art Molinovorhang verhängen ließ. Apollinaire erfindet dazu sofort eine passende Geschichte. Ihn dauert der jammernde alte Maler, in dem der Präsident des Salons den ehemaligen Zollbeamten erkannte, der ihm einst eine Untersuchung wegen geschmuggelter belgischer Zigarren auf den Hals geschickt hatte. Apollinaire legt in seinem Artikel Rousseau Verse in den Mund, die diese »rührende Geschichte« schildern, Verse, deren Autor allerdings er selbst, nicht der »unglückliche Rousseau« war.
Im gleichen Artikel bricht er mutig eine Lanze auch für Maurice Vlaminck. Apollinaires kühner, »Der Fall Maurice Vlaminck« betitelter Bericht entstand auf Grund der Haltung einiger Funktionäre des Herbstsalons den fauvistischen Malern gegenüber. Vlaminck war am 16. Oktober 1907 auf der Sitzung der gründenden Mitglieder des Salons ebenfalls zum Mitglied ernannt worden, wovon er am 18. Oktober durch einen von Frantz Jourdain unterzeichneten Brief benachrichtigt wurde. Aber einige Tage später – am 21. Oktober – wurde ihm in einem weiteren Brief mitgeteilt, daß es sich um einen Irrtum handle, und die Ernennung widerrufen. Apollinaire fragt sich, was zwischen dem 18. und dem 21. Oktober vorgegangen sei. Es ist sicher, daß Vlaminck ihm beide Briefe des Salons zur Verfügung gestellt hat und auch seine an Jourdain adressierte Antwort vom 23. Oktober, in der er eine Erklärung fordert. Apollinaire konstatiert in einem kurzen Schlußwort zu der Affaire, daß es sich nicht um einen Irrtum handle, denn ähnliche Briefe haben auch Camoin und Manzana erhalten. Der Fall Vlaminck ist also kein Einzelfall. Zum Schluß bemerkt er trocken, daß der Ausschuß des Salons nicht aus lauter Lausejungen bestehe, sondern daß auch anständige Leute darin säßen. Selbstverständlich kann sich Jourdain damit nicht abfinden, er wartet nur auf eine Gelegenheit, um sich an Apollinaire zu rächen. Diese bietet sich ihm, als der Dichter in den Diebstahl der Mona Lisa verwickelt wird. Jourdain, der Apollinaire überlebte, reagiert noch im Jahre 1953 in seinem Buch Sans remords ni rancune (Ohne Gewissensbisse oder Groll) auf Apollinaires Apologie.
Trotz seiner zeitraubenden Arbeit mit dem Salon scheint Apollinaire seine sonstige Tätigkeit nicht vernachlässigt zu haben.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









