Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CXIV)
Am 27. Januar 1907
wird Apollinaire von heftigem, andauerndem Läuten geweckt. Noch im Nachthemd, öffnet er die Tür. Vor ihm steht ein großer, elegant gekleideter Mann, Rosenknospe im Knopfloch, Monokel im linken Auge, in der linken Hand tadellose Handschuhe.
»Habe ich die Ehre, mit Herrn Guillaume Apollinaire zu sprechen?« fragte der Fremde förmlich den erstaunten Dichter. Es ist Louis de Gonzague Frick, Apollinaires jüngerer Mitschüler aus dem College Saint-Charles in Monaco, der die literarischen Anfänge des Dichters, die er einst in der Schulzeitung las, nicht vergessen hat. Noch in der Tür rezitiert der originelle Besucher dem vor Kälte klappernden Dichter unter anderm einen Teil des »Verfaulenden Zauberers«, und mit diesem Augenblick erneuert sich die alte Freundschaft und wächst zu einer neuen, dauernden Beziehung aus. Gonzague Frick hatte erfahren, daß Apollinaire auf ärztliche Verordnung täglich auf nüchternen Magen einen Apfel essen soll, den er nach dieser erheiternden Vorstellung dem Dichter überreicht. Dieses Morgenzeremoniell wiederholt sich dann täglich.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









