Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CVII)
Dieser Stellungswechsel und das neue Arbeitsmilieu bremsen Apollinaires literarische Aktivität ein wenig. Sie äußert sich erst wieder
im November 1905
in der 32. Nummer der Revue littéraire de Paris et de Champagne, wo das »Palais« abgedruckt wird, ein Gedicht, das in der definitiven Version in den Alcools den Titel »Dans le palais de Rosemonde« (In Rosamundes Palast) trägt. Die Dedikation ist eine Bestätigung der sich vertiefenden freundschaftlichen Beziehungen des Autors zu Max Jacob, den er selbst vor kurzem in die Literatur eingeführt hat.
»Apollinaire versucht sich in Phantasien, zu denen der neue Freund ihn anregt…«, konstatiert Michel Décaudin.
Apollinaire ist fast täglicher Gast bei Picasso, von dem Vollard zu dieser Zeit dreißig Bilder für 2.000 Franken kauft. Für Picasso »war Malen, ständiges Suchen eine Naturnotwendigkeit. Wie Max Jacob oder Guillaume Apollinaire fühlte auch er den Drang, vor allem zu arbeiten, seinen Geist anzufachen, aus seiner Vorstellungskraft zu schöpfen…« bemerkt Fernande Olivier. Es ist die Zeit, da Picasso eifrig den Zirkus besucht, die Helden der Manege malt und seine »Gaukler« sticht, die auch Apollinaire zu einem Gedicht anregen.
Der Herbst ist für die ganze »Bande« ereignis- und erfolgreich. Denn im »Herbstsalon« stellen ihre Angehörigen Vlaminck, Derain, Matisse, Manguin, Marquet, Van Dangen, Puy und andere aus, die der Kritiker Vauxcelles „Fauves« taufte. Es ist die historische Zeit der Entstehung des »Fauvismus«, an dem zweifellos auch Apollinaire in den Diskussionen mit seinen Freunden teil hat. Die Ausstellung löste Empörung, Abscheu – und Begeisterung aus; sie ist ein Meilenstein nicht nur der französischen, sondern auch aller übrigen Malerei.
In dem gleichen Jahre läßt sich nach seiner Rückkehr von Korsika auch Fernand Léger in La Ruche nieder und »lernt bald die Dichter Apollinaire, Jacob und Reverdy kennen.« Auch Delauney wird in dieser Zeit laut Francastel mit »Metzinger und Henri Rousseau bekannt und mit der ganzen Gruppe der Kubisten, Cendrars, Salmon und Apollinaire«. Die Bezeichnung »Kubismus« gilt allerdings noch nicht in ihrem vollen Sinne, denn das Jahr 1905 ist keineswegs das Jahr seiner Entstehung. Die Bezeichnung an dieser Stelle stammt aus den Erinnerungen von Delauneys Sohn Pierre, der den zu einer späteren Zeit geprägten Ausdruck anwandte.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









