Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CLIII)
Am 27. November 1908
ist es zwar bereits gedruckt, in den Buchhandel kommt es aber erst ein Jahr später. Der unpaginierte Quartband in schmucklosem Umschlag ist nicht datiert, wie es bei französischen Büchern üblich ist.
Dieses Buchdebut ist dem Autor sehr ans Herz gewachsen. Im Flaneur de deux rives (Bummler an beiden Ufern) sagt er, es sei »ein heute beinahe berühmtes Buch, die meisten Illustrationen in Weltkunstzeitschriften reproduziert, die Sorgfalt des Druckers Paul Birault beispielgebend auch für den ausländischen Druck.«
Apollinaires Ansicht ist objektiv und noch heute gültig, was auch die Worte Philippe Jacottets in Derains Biographie bestätigen, die 1935 im Rahmen der Publikation Le dessin français au XXe siècle (Die französische Zeichnung im XX. Jahrhundert) erschien. Er sagt über den Zauberer:
Derain gelang eine der schönsten Illustrationen zu einem zeitgenössischen Buch.
Zu dem Buche wurde ein Prospekt herausgegeben, dessen Text Apollinaire selbst zugeschrieben wird. Er präsentiert sich auch hier als gründlicher Bibliograph, denn er erwähnt im Zusammenhang mit Derains Holzschnitten, daß das erste mit Holzschnitten illustrierte, mit beweglichen Lettern – »Lettres d’indulgence« – gedruckte Buch im Jahre 1454 herauskam, und vergleicht den Verfaulenden Zauberer mit dem berühmten Druck des Venezianers Aldus Manutius Hypnerotomia Poliphili.
Er charakterisiert sein literarisches Werk ohne bombastische Reklame.
L’enchanteur pourrissant ist eines der mystischsten und lyrischsten Bücher der neuen literarischen Generation. Dieses Werk, dessen Wurzeln weit in die keltischen Tiefen unserer Tradition zurückgreifen, hat seinen Illustrator in Derain gefunden.
Trotz dieses musterhaft gedruckten Flugblattes, das auf der ersten Seite eine Reproduktion des Titelblattes, auf der zweiten den Text der Vorrede trägt, stellt sich der erwartete Erfolg nicht ein. Vielleicht liegt es an dem hohen Preis von 60–120 Franken, vielleicht in der Neuheit des Textes, in dem sich die dichterische Imagination Apollinaires in ungewohnten Regionen entfaltet, daß noch im Jahre 1914 drei Viertel der Auflage des Buches, das heute zu den Raritäten des Büchermarktes gehört, nicht verkauft sind.
Im November veranstaltet die Galerie Kahnweilers eine Ausstellung George Braques. Er präsentiert siebenundzwanzig in L’Estaque gemalte, von der Jury des Herbstsalons abgelehnte Bilder. Apollinaire schreibt die Vorrede des Kataloges, die mit kleinen Änderungen in der Revue intépendante im August 1911 abgedruckt wird.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









