Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CI
)

Im April 1905

erscheint die erste Nummer der Revue, die als Organ des ganzen Apollinaireschen Freundeskreises gedacht ist. Sie kostet 60 Centimes. Auf dem braunen Umschlag ist als Programm ein Zitat aus Beyls »Lucien Leuwen« angeführt.

Apollinaire hat mehrere Beiträge beigesteuert. Der erste ist das Gedicht »Le Mendiant« (Der Bettler), das der Autor in einer Anzahl von Exemplaren eigenhändig korrigiert und auch einige Verse ändert, der zweite ein kurzer Artikel über Picasso unter dem Titel »Picasso, peintre et dessinateur« (Picasso, der Maler und Zeichner), angeregt durch die Vorrede von Charles Morice zu der Ausstellung in der Galerie Serrurier, wo außer Picasso vom 25. Februar bis zum 6. März die Maler Trachsel und Gerardin ausstellten. Es ist Apollinaires erster Artikel aus einer reichen Serie von Studien, Betrachtungen und Kritiken über Picasso. Unter den Nachrichten ist ein kurzer Nekrolog für Marcel Schwob mit dem Hinweis, die Revue werde demnächst eine ausführlichere Studie über diesen Dichter bringen, wozu es allerdings nicht mehr kommt, und in der Rubrik »Propos Mensuels« (Ereignisse des Monats) drei Nachrichten: »L’affaire Sylveton – Le sacrificateur« (Der Opfernde) – »Le Gouvernement« (Die Regierung) und »Le theâtre de l’Œuvre«.

Schon zum zweitenmal wird Apollinaires beabsichtigter Gedichtband angekündigt. Der Titel ist auf Vent de Rhénanie (Rheinlandwind) abgeändert, und diesem Zyklus soll der »Chanson du mal-aimé“ beigefügt werden. Das annoncierte Buch erscheint nicht. Die Gedichte aus dem Rheinland müssen auf ihre Publikation im Rahmen der Sammlung Alcools bis 1913, der »Chanson« auf die Veröffentlichung im Mercure de France bis Mai 1909 warten.

In der zweiten und letzten Nummer der Revue hat Apollinaire keinen Beitrag, trotzdem aber ist diese Nummer von Wichtigkeit, denn in ihr debutiert Max Jacob.

 

Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966