Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCXXVI)
Am 11. September 1911
wird die Zeitungskampagne gegen Apollinaire in noch gröberem und agressiverem Ton fortgesetzt. Die Zeitungen schreiben, ein unbekannter Russe habe ihn damit betraut, die Statuetten zurückzustellen; er sei gesehen worden, als er das Bild von der Wand nahm. Sie bringen seine Fotografie mit einem Polizisten, der ihn zum Untersuchungsrichter führt. Man spricht auch von seiner literarischen Tätigkeit.
Unter dem Eindruck dieser Insinuationen begibt sich Toussaint Luca zum Gericht, um zu protestieren und die Persönlichkeit des verdächtigten Dichters ins rechte Licht zu setzen. Er und José Théry übernehmen seine Verteidigung und organisieren eine Protestaktion, an deren Spitze Dupuy, André Tudesque und André Billy stehen. Paris-Journal bringt in einem seiner Schaufenster an auffallender Stelle einen von E. Bourges, E. Haracourt, O. Mirbeau, A. Salmon, G. Lavaud, A. Billy, L. Larguier und anderen Schriftstellern unterzeichneten Protest an. Andere hingegen beschimpfen ihn, wenden die Bezeichnung »Verfaulender Zauberer« und auch den Titel des vorangezeigten Buches »Branntwein« in herabsetzendem, verhöhnendem Sinn an. Die Mutter nimmt ihren Sohn in Schutz und erklärt seine Beziehung zu Piéret:
Dieses Individuum war sein Bürokollege. Obwohl er behauptete, aus einer vornehmen Familie zu stammen, jammerte er beständig über sein Elend, und der feinfühlige, edle Guillaume unterstützte ihn…
Sein Bruder Albert widerlegt das Gerücht von seiner jüdischen Herkunft, erläutert die Genealogie des Geschlechtes und erklärt, er sei mütterlicherseits nicht Pole, sondern Russe. Außer den Familienmitgliedern setzen sich für die Freilassung des zu Unrecht Verhafteten noch weitere Schriftsteller ein. Zu dem von seinen nächsten Freunden konzipierten Protest kommen immer mehr Unterschriften, darunter lesen wir die Namen Max Jacob, Claude Farrères, G. Mandès und andere. Seine Verteidiger versammeln sich in der Closerie de Lilas und trachten, möglichst viele Unterschriften aufzutreiben. André Billy erzählt in seinen Erinnerungen, wie A. Tudesque von der Weinstube an der Ecke der rue Vivien und der rue Petits-Champs den Vorsitzenden des Herbstsalons Frantz Jourdain anrief und ihn aufforderte, der Aktion beizutreten. Jourdain konnte seinen ehemaligen Zwist mit Apollinaire nicht vergessen und antwortete empört:
Wie? Meine Unterschrift für Apollinaire? Nie im Leben! Alles, was Sie wollen, damit er gehängt wird!…
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









