Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCCLXXI)

Apollinaire schreibt den Text des Programmes zu Cocteaus Parade, die

am 13. Mai 1917

mit der Musik von Erik Satie und Dekorationen von Picasso aufgeführt wird. Bei dieser Gelegenheit entsteht wieder ein neuer Ausdruck und Begriff: »L’esprit nouveau« (Der neue Geist), den der Dichter später programmäßig weiterentwickelt.

Im Mai und Juni erscheinen verhältnismäßig viele Gedichte von Apollinaire, und alle Freunde leben im Zeichen der Aufführung der Brüste des Thiresias im Premierenfieber. Man hat den Saal des Theaters Maubel auf dem Montmartre gemietet. Die ganze Aktion leitet Pierre Albert Birot, die Kostüme entwirft Serge Férat, die Musik komponiert Germaine Albert Birot. Der getreue Max Jacob übernimmt die Rolle des Dirigenten und leitet auch die Chöre. Apollinaire sorgt begeistert für den Erfolg der Inszenierung und berät seinen Künstlerfreund, wie die Kostüme und die ganze Ausstattung herzustellen seien. Ein tragischer Unfall hätte den Dichter beinahe auch zum Schauspieler gemacht. Fünf Tage vor der Vorstellung kommt durch einen unglücklichen Zufall der Vater des Hauptdarstellers, des Schauspielers Herrande, ums Leben, und Apollinaire beschließt, die Rolle selbst zu spielen.

 

Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966