Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
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Im März 1905

dringt Apollinaire mit dem Artikel »Mecislav Goldberg“ in die Revue littéraire de Paris et de Champagne vor.

In Paris bleibt er ständiger Gast der Bars um den Bahnhof Saint-Lazare, sitzt bis spät in die Nacht in dem stets wachsenden Freundeskreis. Wenn sich die hitzigen Debatten länger ausdehnen und er den letzten Zug versäumt, schläft er in einem kleinen Hotel in der rue d’Amsterdam. In dieser Umwelt, entweder in Austin’s Fox oder im Critérion begegnet er einem neuen Mäzen, Henri Delormel, Sohn des Verlegers weitverbreiteter Couplets, dem Autor einiger bizarrer Artikel und Begründer der Ecole du Bohémienisme. Aus gelegentlichen Gesprächen entsteht der Plan einer neuen Revue, die Delormel bereitwillig finanziert. Sie trägt den Titel Revue immoraliste, ist dem Inhalt nach eine bedeutende Zeitschrift, aber wie alle derartigen, ohne den nötigen Geschäftsgeist durchgeführten Editionsversuche von kurzer Dauer. Die Räumlichkeiten für die Redaktion stellt Dr. Roussel, der Bruder des »sanften, priesterlichen Malers« K. Xavier Roussel in seinem Privatsanatorium zur Verfügung. »Diese Räume waren gesegnet«, schreibt Andre Salmen.

Täglich traf sich dort eine bunte geschlossene Gesellschaft…

 

Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966