Felix Philipp Ingold: Satellitenbild

Der Himmel – das windige Dreieck unten
links im Bild – ist leer
als wäre er wer. Ein Heer. Frau Blau. Und
schrappt wie üblich
in Schüben Geschichte. Doch immer
gilt er nicht für länger.
Enger wird’s im Gegenlicht. Die Sonne
– brutales Pokerface –
ist jedermanns Schandfleck und enorm


im Kommen. »Starke Gewitterschauer, schön zwischendurch, ziehende Wolken«, notiert an einem 6. Juli Hopkins: »Die Sonne kommt hervor nach einem dieser Schauer am Morgen und heiss macht sie Bodenrauch, Schotter wie Rasen, eine Zeit lang. Angenehme Genauigkeit der Heuschober und Zeilen mit Schatten auf einer Seite. Etwas Regen dann wieder, viele schnelle Wolken, zuweilen randlose weiche Meridiane, manchmal Flicken, Kämme, Sprühen an Stimuli usf. Kalter Wind. Zu Sonnenuntergang dann, in einer grauen Wand mit feuchten goldenen Hauben und Driften, hat das ganze Rund der Skyline waagrechte Wolken in natürlicher Bleifarbe aber die obern Flächen berggelb, einige mehr, einige weniger rosig. Nadeln oder Strahlen geflochten oder erfüllt mit inklinierenden Kugelflocken brechen sich, ja, Bahn.« Wie rasch

sich Wolke und Hand ineinander
verwandeln. So
schafft Finsternis Klarheit
während hinter dem gekippten Horizont
nun unverfroren Bläue plaudert.
Vor soviel Säuen all die Perlen. Aber
ehrlich geprangt.

Aus dem Band Niemals keine Nachtmusik, 2017