Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CLI)

Der neu eröffnete Salon der Unabhängigen ermöglicht eine Serie von drei Vorträgen, die die historische Aufgabe des Symbolismus abgrenzen sollen. Den ersten Vortrag hielt P.N. Roinard unter dem Titel »Nos maîtres et nos morts« (Unsere Meister und unsere Toten), den zweiten Victor E. Michelet zum Thema »Les Survivants« (Die Überlebenden) und den dritten

am 27. April 1908

um vier Uhr in den Serres de la Ville de Paris au Cour la-Reine Guillaume Apollinaire. Zunächst dankt er den beiden Vorrednern, daß sie die Basis für seinen Vortrag schufen, und als versierter Redner beginnt er mit einem capatio benevolentiae, indem er die jungen Dichter um Entschuldigung bittet, daß er sie nicht alle kenne. Er knüpft dann an die vorhergegangenen Themen an und analysiert den Beitrag der Symbolisten zur Literatur, ihren freien Vers, der ein wirklicher Beitrag und Gewinn für die Dichtung sei. Er schließt mit den Worten, er habe diesen Vortrag nicht vorbereitet, was etwas zweifelhaft ist, denn er ist mit den Texten Roinards und Michelets vollständig in der Publikation La poèsie symboliste unter dem Titel »Les temps héroiques – la phalange nouvelle« (Die heroischen Zeiten – die neue Phalanx) abgedruckt. Im Anschluß an Apollinaires Vortrag werden Verse von Paul Souchou, St. Georges de Bouheliers, Maurice Magres, Léon-Paul Fergus und Henri Hert rezitiert, den Rezitationsteil schließt Salmons »Chanson marine« (Meeressang) ab. Diese Vortragsfolge, zu der individuelle Einladungen ausgesandt wurden, ist die einschneidendste Aktion der 24. Ausstellung der Unabhängigen, wenn auch der Beitrag Apollinaires zunächst noch nichts Polemisches enthielt.

 

Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966