Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CXCVI)
Am 2. September 1910
stirbt Henri Rousseau, verläßt für immer sein Atelier, in dem sich drei Stühle, ein Tisch aus weichem Holz, ein hölzerner Koffer und ein elendes, hinter einem Kattunvorhang verborgenes Lager befinden. Dort lebte er von seinen hundert Franken Rente, aß zum Mittagessen oft in Wein oder Milch getauchtes Brot. Auch seine späte Liebe hat ihn verlassen, für deren Eltern Apollinaire einst ein Attest hatte schreiben müssen, daß Rousseau ein wirklicher Maler sei, für diese Liebe, die er trotz seiner Armut reich beschenkte und die nicht einmal zu seinem Begräbnis kam. André Salmon schreibt in Propos d’atelier (Ateliergeschichten) mit Recht, daß Rousseau anläßlich seines Todes eine öffentliche Ehrung verdient hätte; indessen begleiteten ihn zu dem Gemeinschaftsgrab nur sieben Personen, darunter Paul Signac, der Präsident der Société des artistes indépendants (Gesellschaft der unabhängigen Künstler). Ob Apollinaire an dem Begräbnis teilnahm, ist nicht bekannt, aber es steht fest, daß er sich an der Aktion beteiligte, die sich zum Ziel setzte, ihm ein eigenes Grab zu beschaffen.
Im folgenden Jahre wird diese Absicht verwirklicht. Erst Ende September 1910 nimmt Apollinaire den regelmäßigen Besuch der Ausstellungen wieder auf.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









