Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CXCV)
Am 29. August 1910
entschuldigt sich der Dichter bei Dufy, er habe einige Gedichte noch nicht beendet, aber die Einleitung sei schon fertig, und sendet ihm ein Verzeichnis der Tiere, die in den Zyklus einbezogen werden sollen. Er ist so überzeugt von dem künstlerischen Effekt der Illustrationen Dufys, daß er sogar eine Verlagsmarke für das ganze Buch entwirft – ein Dreieck mit einem Einhorn und der Devise «J’émerveille“ (Ich mache staunen). Er konzipiert auch das Subskriptionsflugblatt, das bei Gauthier Villard hergestellt wird. Der Druck des Buches auf der Handpresse erfordert äußerste Sorgfalt und beinahe ein Dreivierteljahr.
Apollinaire wohnt noch immer in der rue Gros, wohin die Freunde regelmäßig donnerstags zum Abendessen kommen. Der Kreis vergrößert sich mit der wachsenden Bedeutung des Dichters.
Sein Arbeitszimmer war vollgepfropft mit Büchern, Negerplastiken, unzähligen Kuriositäten, exotischen Gegenständen und kubistischen Bildern, die ihm seine Freunde schenkten. Eine große Leinwand Marie Laurencins nahm den Ehrenplatz ein. Seine Bibliothek war reich und ausgewählt.
So schildert Marcel Adéma die Wohnung. Er schreibt des weiteren über Apollinaires Leidenschaft für alte Bücher und Buchraritäten, die ihm Gelegenheit boten, mit seinem Wissen und seiner Phantasie zu glänzen. Aber wenn Apollinaire von Arbeits- und Schaffensfieber besessen ist, vernachlässigt er seine Freunde und beteiligt sich nicht an ihren Zusammenkünften. André Salmon erklärt damals dem Maler Ed. Marie Poulain:
Seit Stock ein Buch von ihm angenommen hat, ist Guillaume unsichtbar und versunken in ›weltferne Orgien‹.
Ob er damit auf Versuche, Opium zu rauchen, anspielt oder auf wirkliches Schaffensfieber, ist schwer zu entscheiden.
Der Freundeskreis verliert um diese Zeit ein geliebtes Mitglied.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









