Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CXCIII)

Juli 1910

Während des Sommers befindet sich Hérésiarque et Cie (Ketzer und Co.) in Druck, was dem Autor ziemlich viel Zeit raubt, da er sämtliche Korrekturen besorgt und noch mehrere Änderungen vornimmt. Paris entvölkert sich in den heißen Monaten, es kommt zu keinen interessanteren kulturellen Ereignissen und Aktionen, infolgedessen tritt eine weitere Zäsur in den Kunstkritiken ein. Der Dichter verbringt den Sommer in Paris und bereitet den Bestiaire (Das Tierbuch) für die Buchausgabe vor. Achtzehn der Gedichte sind bereits im Jahre 1908 unter dem zusammenfassenden Titel La marchande des quatre saisons ou le Bestiaire mondäne (Die Gemüsehändlerin oder das mondäne Tierbuch) herausgekommen. Apollinaire revidiert das Manuskript, schreibt zwölf neue Gedichte und versieht das Buch mit Anmerkungen. Er widmet es seinem Protektor und Nachbarn in Auteuil Elémir Bourges und vergibt es an den Verlag Deplanche, der auch mit dem von Apollinaire für diese Buchausgabe gewählten Illustrator Raoul Dufy einverstanden ist. Zwischen beiden entwickelte sich noch im Sommer 1910 eine lebhafte Zusammenarbeit. Der, wie es scheint, befriedigte Apollinaire will – als Liebhaber schöner Drucke von der Kahnweilerschen Edition des Verfaulenden Zauberers, vielleicht auch von seinem alten Plan beeinflußt, als er noch an Illustrationen von Picasso dachte – jedes Gedicht von einem eigenen illustrierenden Holzschnitt begleitet sehen. Dufy graviert die Illustration zu jedem einzelnen Gedicht, sobald es ihm Apollinaire vorlegt.

Außer den vorbereitenden Arbeiten zum Bestiaire (Tierbuch) führt Apollinaire im August die Korrekturen des Théâtre italien (Italienisches Theater) durch, was aus einer Notiz Alain Fourniers im Paris-Journal hervorgeht:

 

Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966