Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCLXXXIII)
Aber seine Redaktionsarbeit und -sorgen beanspruchen ihn nicht ganz, er ist außerdem Mitarbeiter zahlreicher Zeitschriften, die seine Verse drucken, er wird unter andern auserwählt;
am 24. Dezember 1913
einige seiner Verse in der Sorbonne auf Grammophonplatten für das Archive des paroles (Archiv der Worte) zu sprechen. Er wählt drei Gedichte: »Le Pont de Mirabeau« (Die Mirabeau-Brücke), »Le Voyageur« (Der Wanderer) und »Marie«, also eine fast für die Laurencin bestimmte Auswahl.
Das Jahr 1913 brachte dem Dichter außer dem Bruch mit Marie weitere schmerzliche Ereignisse.
Die Mutter verflucht ihn, wie er im Herbst Louise Faure-Favier anvertraut, sein Bruder Albert, von dem Marie Laurencin sagt, er gleiche in seiner Zurückhaltung in nichts seinem Bruder Guillaume, wanderte einige Monate nach der Louvre-Affaire nach Mexiko aus, wo er die Stelle eines Bankbeamten bekleidet. Apollinaire lernte zwar einige neue Persönlichkeiten kennen, zu denen er Zuneigung faßte, aber nichts konnte den Verlust ersetzen, der sein vergeblich wartendes Herz zerriß:
Wann kehrst du zurück, Marie.
Die Freunde hatten eigentlich ihre Rückkehr erwartet, denn als in diesem Jahre nach kurzer Krankheit Maries Mutter starb, umgab Apollinaire die Malerin »in ihrem Schmerz mit so viel liebevoller Sorgfalt, daß niemand zweifelte, er werde sie heiraten«, schreibt Louise Faure-Favier. Aber das Schluchzen der Verse erfüllt sich nicht, und der Dichter tritt in das Jahr 1914 einsamer ein als je zuvor.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









