Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCLXII)
Eine gewisse Beruhigung erfolgt auch durch die Auffindung der Mona Lisa
am 12. Dezember 1912,
wodurch der breiten feindlichen Öffentlichkeit seine Unschuld bewiesen wird.
Zu Ende des Jahres beginnt Apollinaires Zusammenarbeit mit der Berliner Revue Der Sturm, die der deutsche Propagator des Kubismus Walden herausgibt. Die Galerie des Sturm bereitet für den Anfang des Jahres 1913 eine Ausstellung Delauneys vor, Apollinaire soll das Vorwort des Katalogs schreiben. Noch im Dezember 1912 veröffentlicht er im Sturm eine lange Studie «Realité, peinture pure“ (Realität, reine Malerei).
Er benutzt dazu einige Themen und Anmerkungen Delauneys. Im Grunde ist sie der etwas abgeänderte, gleichnamige Artikel, der, ebenfalls im Dezember, in den Soirées erscheint. Das ist der Anfang seiner weiteren Zusammenarbeit mit den deutschen modernen Malern. Sie haben sich in ihrem Studium auf Paris umgestellt, und so kommt Franz Marc in die französische Metropole. Apollinaire wird bald mit ihm bekannt und stellt ihn Picasso und Delauney vor, der eben Apollinaires Porträt malt.
Es wird in der Galerie Barbazanges ausgestellt. Außerdem beginnt er mit André Billy einen Roman, La fin de Babylon (Das Ende Babylons), zu schreiben und bereitet eine Auswahl seiner theoretischen und kritischen Aufsätze über die bildende Kunst vor, für die er den Baudelaireschen Titel Méditations esthétiques (Ästhetische Betrachtungen) wählt. Er ist wieder voll schöpferischer Energie. Zum Großteil widmet er diese im Jahre 1912 den Editionen Briffauts, in denen er fünf Bände redigiert und mit Vorworten versieht. Er trifft Vorbereitungen für eine Reise nach Berlin, wohin er für das kommende Jahr eingeladen ist, bewundert die ersten »Papiers collés« (Collagen) Picassos und Braques, auch ihre Kompositionen mit Buchstaben, die gewissermaßen seine ersten Kaligramme inspirieren, und geht daran, in seine Wohnung auf dem Boulevard Saint-Germain einzuziehen.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









