Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCLX)
Im November 1912
gelangt in der 10. Nummer der Soirées de Paris Apollinaires erstes Gedicht ohne Interpunktion in die Hände der Leser. Es ist das Schlußgedicht von Alcools – »Vendémiaire«. Diese Revolutionierung der Form könnte den Eindruck erwecken, das Gedicht sei knapp vor der zeitschriftlichen Publikation entstanden, aber M. Décaudin verlegt seine Entstehung in den Herbst 1909, was er durch eine geistreiche und eingehende Analyse und den Vergleich verschiedener Texte mit der »Zone« beweist.
Gerade zu dieser Zeit erhält Apollinaire die ersten Korrekturen des Gedichtbandes. Er ergänzt ihn durch die »Zone«, die er an die erste Stelle setzt. Noch im letzten Augenblick greift er in den gedanklich ausgewogenen Plan des Buches mit einigen Gedichten »sterbender Liebe« ein, zum Beispiel »Chantre« (Der Sänger). Er ändert auch den Titel. Darüber schreibt später Marcoussis:
Im »Chez l’Ami Emile« (einer kleinen Bar auf der Place Ravignan, deren Gäste Gris, Picabia, Modigliani, Raynald, Marcoussis und weitere Freunde waren) war alles begeistert von dem Titel Alcools. »Eau de vie« (Branntwein) wurde als allzu kubistisches Wort betrachtet.
Das Eingangsgedicht kommt im gleichen Monat in der 1. Nummer der Soirées heraus, auch diesmal ohne Erwähnung, daß es in einem demnächst erscheinenden Buche enthalten ist.
Mit der Arbeit an diesem grundlegenden Gedichtbande fällt ein weiteres Ereignis zusammen, das für den Dichter von Bedeutung ist.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









