Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCLIII)

In diesem Seelenzustand hält Apollinaire

am 29. Juni 1912

in Rouen im Laufe der Ausstellung der Sociéte normande de peinture moderne einen Vortrag über das Thema «Sublime moderne“. In den Rubriques nouvelles erscheint ein Gedicht, dessen Inspiration in dem Staveloter Heft Merlin et la vieille femme (Merlin und die alte Frau) wurzelt. Der Redaktion hat er es allerdings schon früher übergeben. Apollinaire wohnt damals in Serge Férats Wohnung auf dem Boulevard Berthier, die ihm der Freund für die Dauer seiner Italienreise zur Verfügung gestellt hat. Vielleicht entstanden dort oder in nächtlichem Umherschweifen im Juni die Gedichte, in denen Apollinaire seine Wehmut zum Ausdruck bringt, Gedichte, die zu seinen Spitzenleistungen gehören, ob es nun der »Pont Mirabeau« (Die Mirabeau-Brücke) ist, »Marie« oder »Cor de chasse« (Das Jagdhorn).

Die liebvolle Umhegung durch die Freunde und sein im wesentlichen gesundes Temperament bringen den Dichter langsam wieder zurück ins normale Leben. Gewiß haben daran auch die Soirées de Paris, die Redakteurspflichten und -interessen ihren Anteil, auch ein neu erwachender Schaffenstrieb und die Vorbereitung eines Bandes Gedichte, dessen Konzeption im Sommer 1912 in den Grundzügen fertig ist. In diesem Plan fehlt allerdings zunächst die »Zone« und »Chantre« (Der Sänger), die während der ersten Korrekturen eingereiht werden.

 

Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966