Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCCLIX)
Die Wunde verheilt immer mehr, die Folgeerscheinungen verschwinden, und
im August 1916
kann Apollinaire schon fast unbegrenzt ausgehen. Er besucht die Cafés, in denen sich die Künstler versammeln, die noch in Paris sind, erneuert alte Freundschaften, knüpft neue an. Seine martialische Gestalt mit dem verbundenen Kopf und dem Offiziersstock in der Hand zeigt sich auch auf den spärlichen Ausstellungen und wird zum Motiv von Zeichnungen und Gemälden einer Reihe von Freunden.
Nun ist auch das Manuskript des Ermordeten Dichters schon vorbereitet, des Romanes, dessen Entstehung auf das Jahr 1910 zurückgeht und der während seiner Rekonvaleszenz beendet wurde, wenn auch nicht in dem ursprünglich beabsichtigten Umfange. Es vereinigen sich phantastische mit satirischen Elementen, Selbstbespiegelung, Lyrismus und Humor zu einer neuen dichterischen Realität. Obwohl der Autor darin wirkliche Erlebnisse literarisch verarbeitete, kann man das Werk nicht als autobiographisch bezeichnen. Das 15. Kapitel täuschte alle tschechischen Historiker und Freunde von Apollinaires Werken. Der Autor verlegt einen Teil dieses Kapitels nach Brünn, woraus geschlossen wurde, daß er sich auf seiner Reise von Prag nach Wien dort aufhielt. Aber die Schilderung der Stadt ist im wesentlichen von Prag inspiriert, und im Manuskript ist auch der Name Prag ausgestrichen und durch Brünn ersetzt. Die letzten Korrekturen wurden noch im Hôspital italien in Zusammenarbeit mit Mlle. Sergé vorgenommen, die den „wiederauferstandenen Dichter“ liebevoll pflegt.
Er skizziert auch einen Umschlag, aber die endgültige Wahl fiel auf den Entwurf Capiellis. Eine gründliche Analyse des Romanes und der Erzählungen nahm M. Décaudin in seiner geistreichen, bis ins äußerste gehenden, der Ausgabe des Jahres 1957 beigefügten Studie vor.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966







