Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCXXXII)
Marie, die nicht zur «Santé“ gekommen war, ihn zu begrüßen, und um derentwillen er
am 1. Oktober 1911
aus der rue Gros nach 10, rue La Fontaine übersiedelt, um in ihrer Nähe zu sein… Aber Marie zieht sich nach seiner Freilassung von ihm zurück. Ihre Beziehungen waren nie frei von Streitigkeiten und Krisen gewesen, wie Max Jacob am 31. März 1917 an Doucet schreibt:
Ich sah Marie Laurencin weinend am Rande des Gehsteigs stehen, die Füße in einer Pfütze.
Als Apollinaire ihr einen Heiratsantrag machte, wurde er mit den Worten aufgenommen:
Du hast einen sehr schlechten Charakter.
Ihre Mutter wollte nicht, daß sie Apollinaire heirate, vorher wieder war die Mutter des Dichters nicht mit der beabsichtigten Ehe ihres Sohnes einverstanden, weil ihr »Marie Laurencin zu arm erschien«, wie nach Maries Erzählung Louise Faure-Favier aufzeichnet. Trotzdem kommen sie immer wieder zusammen, auch in der Wohnung der Laurencins, wo stets große lustige Gesellschaft war. Marcel Adéma notiert einen interessanten Vorfall von einem dieser abendlichen Besuche.
Max Jacob liest den Besuchern aus der Hand. Seine Weissagungen erwiesen sich als geradezu hellseherisch. So prophezeit er René Dalize, er werde von allen am frühesten sterben, Apollinaire daß er nicht Mitglied der Académie werden, nur kurz leben und erst nach seinem Tode berühmt werden würde, Marie, daß sie unglücklich in der Liebe sei, Frankreich verlassen, aber wieder zurückkehren werde. Leider erfüllen sich Jacobs Weissagungen in verhältnismäßig kurzer Zeit. Aber der Chiromant ahnte wohl kaum, daß auch er, obgleich erst nach Jahren, eines tragischen Todes sterben würde.
Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966









