Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCXXIV)

Am 7. September 1911

spitzt sich die Situation zu einer direkten Aktion gegen Apollinaire zu. Er wird verhaftet und in das Pariser Gefängnis La Santé abgeführt, wo ihn der Prokurator Guillaume Gaulen verhört. Er muß sich zu seinem vollen Namen, seiner Nationalität bekennen, die für die Polizei »das Geheimnis seiner Herkunft« enthüllt. Man beschuldigt ihn der Hehlerei und verdächtigt ihn der Mitschuld an dem Diebstahl der Mona Lisa.

Aus dem der breiten Öffentlichkeit fast unbekannten Dichter wird über Nacht der raffinierte Dieb der Mona Lisa. Die bürgerliche Presse hat ihre Sensation. »Der Pole Kostrowitzki an der Spitze einer internationalen Bande von Dieben weltbekannter Kunstwerke« ist einer der vielen Zeitungstitel, die im marktschreierischen Ton der Boulevards die Angelegenheit breittreten. In ihrer Unkenntnis bezeichnen sie den Dichter als Juden und wiegeln die öffentliche Meinung der uninformierten Bürger gegen ihn auf, die, ebenso wie eine gewisse Schicht reaktionärer Intelligenzler die Anfänge der modernen französischen Kunst auf den Tod haßten, einer Kunst, deren feuriger Verfechtet gerade der unglückselige Apollinaire ist.

Er ist in Einzelhaft in Zelle Nr. 15, Abteilung 11. Auf die Pritsche seiner Zelle ist eine Inschrift eingeritzt:

Dédé de Ménilmont, Mord

 

Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966