Ich überlasse der Zukunft die Geschichte Apollinaires.
(CCLXIII)

1913.

Im Jahre 1913 finden wir Apollinaire in seiner neuen Umwelt. Anfang Januar bezieht er die neue Wohnung. Rouveyre schreibt rückblickend:

Das Appartement war im sechsten Stock gelegen, die letzte Treppenstufe zugleich die Türschwelle. Rechts vom Eingang befand sich ein kleiner Raum, dahinter ein zweiter mit einem großen Divan in der Mitte. Dort empfing der Dichter Besuche. An den Wänden Bilder der Freunde.
Von dem kleinen Vorraum führte ein geheimer, mit Büchern angefüllter Gang in die Küche, wo er seine Speisen ersann.
Dann folgte die eigentliche Bibliothek, in der ein einfacher Arbeitstisch am Fenster stand. Über einige Stufen beim Eingang gelangte man in ein Boudoir voll verschiedener Gegenstände und Raritäten. An der Wand zwei Zeichnungen von Matisse. Die Tür dieses Boudoirs führte auf die Terrasse, wo Vögel umherflogen.
Später wandelte in diesem alten ,Taubenschlag‘ faulen Schrittes die Katze Bolo.

Louise Faure-Fauviers Worte über diese Wohnung stimmen nicht ganz mit Rouveyre überein.

Kubistische Bilder, Negerplastiken, Rousseaus Der Dichter und seine Muse. Überall lagen Papiere herum, über die die Katze Pipe spazierte.

Apollinaires Heim wurde an Empfangstagen zum Mittelpunkt einer Versammlung von Malern, jungen und alten Schriftstellern und endlosen, aber fruchtbaren Debatten.

Kaum hat er sich in der neuen Wohnung eingelebt, fährt er nach Berlin. Er hat zwei Vorträge vorbereitet »Le commencement du cubisme« (Der Beginn des Kubismus) und »Réalite, peinture pure« (Realität, reine Malerei), die er auf der Ausstellung hält.

 

Vladimír Diviš: Apollinaire. Chronik eines Dichterlebens. Deutsch von Aleš Krejča, Artia, 1966